Bernstein Trio Klavier, Violine, Violoncello

23. März 2025  

Anfängerglück

Konzertprogramm

 

Ludwig van Beethoven (1770-1827) Trio op. 1 Nr. 1 in Es-Dur (1793/94)

 

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)

Klaviertrio Nr. 1 c-Moll op. 8 (1923)

 

Johannes Brahms (1833-1897)

Trio Nr. 1 in H-Dur op. 8 (1891)

In diesem Programm sollen uns drei geniale Komponisten aus drei verschiedenen Jahrhunderten begegnen, die alle bereits in Jugendjahren ihr erstes Klaviertrio zu Papier brachten und sich auf beeindruckend originelle und reife Weise unserer Gattung widmeten.

 

Wir eröffnen mit Beethovens Opus 1, Nr. 1, das geistreich und verspielt dessen kompositorische Meisterschaft in der Klaviermusik unter Beweis stellt. Die drei Klaviertrios Opus 1 zeigen einen durchaus progressiven Beethoven, der in seiner frühen Schaffensphase noch viele Parallelen zu Mozart aufzeigt, jedoch hier in Themenbehandlung und großer Form schon typische Charakterzüge seines späteren Kompositionsstils durchblicken lässt. Auf den lebhaften, motivisch ausgefeilten Eröffnungssatz folgt ein

klangverliebtes Adagio im Dreiertakt, nach dem anstelle des Menuettos ein energisches Scherzo den Weg ins Finale bereitet, das verschmitzt und virtuos durch allerlei Tonarten rauscht und schließlich zurück nach Es-Dur findet. 

 

Schostakowitsch schrieb sein erstes, zu Unrecht relativ unbekanntes Klaviertrio, mit siebzehn Jahren. Das einsätzige Stück weist, ähnlich wie bei Beethoven, schon einige Anzeichen der späteren Tonsprache Schostakowitschs auf. Wenngleich sich zeitweise sehr romantische Klangwelten auftun, hält das Werk auch schroffe Themen und ein klagendes Leitmotiv bereit. Schostakowitsch ist schon als Jugendlicher unverkennbar und führt uns hier auf eine packende Reise in c-Moll.

 

Das dritte Stück in unserem Bund der ersten Klaviertrios ist (zurecht) ein absoluter Klassiker:

Obwohl Johannes Brahms als großer Bewunderer Beethovens Zeit seines Lebens den Vergleich mit "Meister Ludwig" fürchtete und sich deshalb erst spät an seine 1. Sinfonie wagte, nahm er sich bereits sehr früh, wie auch sein großes Idol, der Besetzung des Klaviertrios an und schrieb 1856 die erste Fassung seines Opus 8. Das Frühwerk erfuhr viel später nochmals eine Überarbeitung, die bis heute die gängigere blieb. In unserem Programm soll ebenfalls die Spätfassung erklingen, die sowohl einen lebhaft jungen, als auch einen genialisch gereiften Brahms zeigt. Der selbstkritische Komponist nahm vor allem im ersten und vierten Satz formale und thematische Änderungen an seinem farbigen Jugendwerk vor und rundete es zu einem Monumentalwerk der Kammermusik ab. Jeder der vier Sätze eröffnet uns eine eigene Welt der Klangempfindung und Charaktervielfalt, doch vereint ergeben sie ein vollkommenes, leidenschaftliches Werk entwaffnender Schönheit. 

Rezension 

Echtes Gefühlskino und unbändige Spielfreude

GLÜCKSBURG Furioser Beginn der diesjährigen Glücksburger Konzerte in der Auferstehungskirche mit den Bundessiegern 2024. Zu Gast war das noch sehr junge Bernstein Trio, das sich erst 2022 gründete und sich aus Roman Tulchynsky, Violine, Marei Schibilsky, Cello und Julia Stephan am Klavier zusammensetzt. Die drei lernten sich bereits am Berliner Musikgymnasium kennen und studieren derzeit noch an der „Universität der Künste Berlin“ und der „Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin“. Erst jüngst gewann das Trio den 1. Preis beim diesjährigen Internationalen Schumann Kammermusikpreis Frankfurt. Und das begeisterte Publikum in der sehr gut besuchten Kirche wurde mit dem dargebrachten Programm nicht enttäuscht.

Mit den „Trio Es-Dur op. 1 Nr.1“ des damals noch jungen und hoffnungsfrohen Ludwig van Beethoven begann das Bernstein Trio fulminant mit zupackendem Einsatz, unbändiger Spielfreude und hohem Gestaltungswillen. Mit scharfer Klarheit in der Offenlegung der organischen Strukturen, mit ihrem vorwärtstreibenden Temperament, ihrer ausgereiften Technik und spielerischer Homogenität, womit sie auch eine sagenhafte Transparenz der Klänge bis in einzelne Motive hinein ermöglichten, zeigten die drei, was in ihnen steckt.

Inzwischen hatte das Publikum auch erfahren, wie es zu dem Namen kam. Die Cellistin Marei Schibilsky erklärte humorig, dass sie als Kind öfter an der Ostsee im Urlaub gewesen war und stets auf der Suche nach Bernstein war. Sie fand dann auch welchen. Doch erst später erfuhr sie, dass ihr Vater ihn vorher versteckt hatte. Das Ensemble bewies mit dem Besuch auch seine innige Verbundenheit und Liebe zur Ostsee, wo es sich vor drei Jahren getauft hatte.

Noch vor der Pause spielten die drei Künstler das „Klaviertrio Nr. 1 c-Moll op. 8“ aus der Feder des damals ebenfalls noch jungen Dmitri Schostakowitsch. Er hatte sich von einer Krankheit erholen müssen und sich 1922 auf der Krim unsterblich in eine junge Frau verliebt. Die wechselnden Emotionen romantischer Schwärmerei, die das Trio ausstrahlt, fingen die Akteure bestens ein und gaben es so wieder, als ob ihnen das Stück auf den Leib geschrieben wäre.

Das zunächst in seiner Jugend, im Jahre 1853 entstandene Trio H-Dur op. 8 von Johannes Brahms, das nach einiger Kritik – auch von Seiten Clara Schumanns – er im Alter einer gründlichen Revision unterzogen hatte, folgte als Höhepunkt des unvergessenen Abends. Wie Brahms überaus überzeugend aufgeführt werden kann, hat das Bernstein Trio erlebnisreich gezeigt: Und das nicht nur mit einer höchst differenzierten Dynamik und plastischer wie sprechender Deklamation, sondern auch in einer treffenden Tempogestaltung und nahezu perfekten Klanglichkeit. Mit viel Atem und Ruhe brachten sie gleich in den ersten Takten die kantablen Passagen wunderbar zu Gehör. Selten hörte man von einem so jungen Ensemble eine allgegenwärtige geistige Durchdringung der Töne, der Motive und des Melos, verbunden mit einem echten Espressivo und jugendlichem Überschwang des Ausdrucks. Mit einer witzigen Zugabe von Rodion Schtschedrin verabschiedeten sich die drei aufstrebenden Musiker von ihren Zuhörern mit dem Versprechen, erneut an die geliebte Ostsee zu kommen.

Werner Bodendorff

 


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